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Marokko (21.3.-26.3.2008)

Dieses Jahr sollte es in den Süden gehen, nachdem wir meinen letzten Geburtstag in Stockholm gefeiert haben. Marokko fasziniert uns schon seit langem. Das Essen, die Geschichte, die Architektur und natürlich auch die Leute.

Vorbereitung

Gebucht wurde nach einigem Abwägen bei AirFrance. Royal Air Maroc war zu teuer und AtlasBlue, die Billigairline von Royal Air Maroc, fliegt nur ab Genf und machte eine Übernachtung dort unausweichlich.

Direktflüge mit Air France waren nicht möglich, also ging es von Zürich zuerst nach Lyon und von da nach Casablanca. Der Rückflug von Casablanca über Paris nach Zürich. Einzig das Umsteigen in Lyon war mit 4h Wartezeit verbunden. Sonst lief alles Reibungslos. Der Flug kostete für 2 Personen inkl. Steuern und Gebühren 1213 CHF. Ein Vergleich mit Atlas Blue brachte zwar ein Preisvorteil von ca. 300 CHF, doch mit der Anreise nach Genf und einer Übernachtung dort würde der Vorteil auch wieder verschwinden.

Die Unterkünfte in Casablanca und Marrakesch haben wir über http://www.hostelworld.com gebucht. Wir haben bis jetzt immer sehr gute Erfahrungen mit der Website gemacht. Doch dazu weiter unten im Text noch mehr.

Unsere Wahl fiel für Casablanca auf das Hotel Central, liegt in der Nähe des Bahnhofes Casa Port und der Moschee Hassan II. Für Marrakesch wählten wir das Riad Massin auf Grund der Lage in der Medina und der guten Bewertungen.

Tag 1

Früh ging es los am 21.3., unser Flug startete um 6h45 ab Zürich in Richtung Lyon. Also erstmal mit dem Auto ins Parkhaus. Um die Uhrzeit gibt es fast keine andere Möglichkeit als mit dem eigenen Wagen an den Flughafen zu fahren. Für die ganze Dauer der Reise kostete das Parkhaus knapp 120 CHF. Das Parking P5 ist knapp 5 Gehminuten vom Terminal 2 entfernt. Unser Gepäck haben wir bereits am Vorabend eingecheckt und konnten nun ohne grossen Zeitdruck zum Gate.

Der Flug nach Lyon war unspektakulär und ruhig. Auch der Flughafen Lyon St. Exupéry hat nicht viel zu bieten. Der Weiterflug nach Casablanca wurde durch Royal Air Maroc durchgeführt. Es gab auch Mittagessen, ein Hauch orientalische Küche lag in der Kabinenluft.

Kurz vor der Landung wurden noch Formulare für den Zoll verteilt. Die Kontrollen bei der Einwanderung sind sehr streng. Nachdem wir unser Gepäck hatten ging es zuerst ein Stockwerk tiefer. Dort zu schlechtem Kurs Geld gewechselt damit wir überhaupt Fahrkarten für in die Stadt fahren konnten. Geldautomaten funktionierten nicht mit unseren Schweizer Postcards. Erstmal Ratlosigkeit. Hauptsache wir kommen ins Hotel und von da in die Innenstadt.

Vom Flughafen fährt 1x in der Stunde ein Zug nach Casablanca. Der Fahrpreis für eine einfache Fahrt pro Person beträgt 35 Dhs, also ca. 5 CHF. Vom Flughafen fahren die Züge nicht nach Casa Port, sondern nur nach Casa Voyageurs oder mit Umsteigen via Ain Seeba. Wir fuhren bis Casa Voyageurs, dem Hauptbahnhof von Casablanca. Dort erstmal an den ersten Geldautomaten und endlich hatten wir Geld. Die 200m vom Bahnhof zur Bank wurden wir vielleicht 20x gefragt ob wir ein Taxi möchten oder sonst etwas. Was für ein Empfang!
Im „Schatten“ der Bank und einer grossen Strassenkreuzung haben wir uns ein Taxi herangeholt. Der Fahrer war erstmal geschockt als ich ihm unser Ziel, das Hotel Central in der Medina, genannt haben. Natürlich verdient jeder Taxifahrer ein Zubrot mit „seinen“ Hotels. Auch dieser Fahrer wollte uns ein anderes Hotel empfehlen, irgendwie jedes andere Hotel als das Central Hotel wäre gut. Uns war das egal, wir hatten bereits gebucht und es war nur für eine Nacht. Und so schlecht sah es auf der Website auch nicht aus. Vor dem Hotel angekommen sagte uns der Fahrer wir sollen uns das Zimmer anschauen gehen und es uns überlegen, er würde 5min auf uns warten. Der Empfang war ganz freundlich. Natürlich wurden wir darauf angesprochen Schweizer zu sein und ob wir Schokolade dabei hätten. Er würde jedesmal von seinen Schweizer Gästen Schokolade kriegen. Tja, von uns nicht!

Hinter dem Tresen waren nochmals die Preise der Zimmer angeschlagen, 400 Dhs für ein Zimmer mit Meersicht, andere Preise waren nicht zu sehen. Was wir als Meersicht hatten sieht man auf dem Bild rechts. Gardine zur Seite gezogen und man konnte direkt das Haus gegenüber berühren und die toten Tauben betrauern. Das Bad war auch nicht sehr sauber. Alles in allem ein Flop, aber wir waren schon in schlimmeren Hotels. Wir fragen uns dennoch wie die Bewertung von über 75% zu Stande kam.

Nach dem ersten Schock über den Zustand des Hotels sind wir los gezogen um die berühmte Moschee Hassan II zu besuchen. Es dauerte ca. 20min zu Fuss dort hin, vorbei an Bretterwänden und Umzäunten Grundstücken wo mal die Marina von Casablanca entstehen soll. Auf dem Weg zur Moschee kommt man noch am berühmten Rick’s Cafe vorbei. Keine Ahnung was Rick’s Cafe ist? Da waren wir natürlich nicht drin, da wir nicht auf solchen künstlichen Kitsch stehen. Die Moschee selbst, inklusive dem ganzen Vorplatz ist gewaltig. Das Minarett ist über 200m hoch und das Gebetshaus bietet Platz für über 20’000 Gläubige. Die Stimmung erinnert an ein Volksfest. Viele Marrokaner kommen wohl einfach dort hin um sich Fotografieren zu lassen. Wir waren leider zu spät für eine offizielle Führung. Ich konnte mit ein wenig Schmiere einen raschen Blick in die Moschee werfen. Mit Bakshish geht alles, auch Sittenwächter und gottesfürchtige Marrokaner haben nichts gegen Dirhams. Alles in allem ist Casablanca keine wirklich schöne Stadt. Schon bei der Fahrt vom Flughafen fielen uns die vielen Slums auf. Uns wurde auch geraten nicht unbedingt spätabends durch die Strassen zu gehen.

Langsam plagte uns der Hunger und wir machten uns auf den Rückweg zum Hotel. Das Café Maure lag genau auf dem Rückweg. In einer alten Festung direkt an der Stadtmauer liegt dieses schmucke Restaurant. Sehr zu empfehlen sind die Fruchtsäfte und Milchshakes. Ganz besonders schmeckte uns der „Ambassadeur“, ein Shake mit Mandeln, Datteln und Orangenblüten-Essenz. Die Küche ist eine Fusion zwischen Nouvelle Cuisine und traditioneller orientalischer Küche. Die Preise bewegen sich bei ca. 300 Dhs pro Person inklusive Vorspeisen, Dessert und Getränke. Was in etwa Mittelmass ist. Die Bedienung ist sehr freundlich und aufmerksam. Und das Essen sehr lecker.

Nach dem Abendessen kehrten wir ins Hotel zurück, wo wir bei einem Minztee den Tag ausklingen liessen. Die Nacht selbst war sehr laut, dünne Wände und eine noch dünnere Tür. Irgendwann nach 2h00 waren auch die neben uns fertig mit dem Beischlaf.

Tag 2

Wir waren sehr früh wach weil wir auf den 9h30 Zug nach Marrakesch wollten. Es fahren nur alle zwei Stunden ein Zug in die Richtung und die Fahrt selbst dauert 3h15min. Erstmals in Flipflops in die Dusche und die Vorzüge einer Mystery-Duschbrause kennen gelernt. Man wusste nicht wie stark das Wasser raus sprudeln würde, noch wusste man wie kalt oder heiss. Unser Hotelmanager hat beim Einchecken erklärt es würde ab 7h00 Frühstück geben. Natürlich war noch alles dunkel, als wir um 7h15 in der Lobby standen. Irgendwo in der Ecke auf dem Sofa bewegte sich was und unter Wolldecken begraben lag unser Manager, rieb sich die Augen und fragte uns verdutzt wie spät es wäre. Wir setzten uns an einen Tisch und warteten auf Kaffee und den ganzen Rest. Kurz nach uns kamen weitere Gäste in den Frühstücksraum. Unbeirrt von den ganzen Leuten schnappte sich unser Manager sein Gebetsteppich und machte erstmal zwischen den ganzen Leuten sein Gebet.

Nach dem Frühstück machten wir uns zu Fuss auf den Weg an den Bahnhof Casa Port, der ist nur ca. 500m vom Hotel Central entfernt. Die Fahrkarte nach Marrakesch kostet 84 Dhs pro Person und wir mussten in Richtung Rabat fahren um dann in Ain Seeba unseren eigentlichen Zug zu erwischen. Die Marokkaner haben grosse Pläne mit ihrem Bahnnetz, so sollen im Jahre 2012 bereits französische TGV Züge zwischen Tanger und Casablanca fahren. Pünktlich fuhr unser Zug los, doch leider tuckerte er mehr vor sich hin als mal einen Zahn zu zulegen. So kam es, dass wir unseren Zug nach Marrakesch auf offener Strecke kreuzten und verpassten.

In Ain Seeba haben wir uns mal in die Bahnhofskneipe gesetzt und gewartet. Wir waren fast sowas wie eine Attraktion dort. Kommt wohl nicht oft vor, dass Touristen einen Zug verpassen. Endlich, um 10h35, kam unser Zug und wir hatten auch gleich einen schönen Fensterplatz erwischt. Landschaftlich ist es sehr abwechslungsreich. Zwischen Bergen und Tälern schlängelt sich der Zug mit etwa 80-90 km/h. Man döst vor sich hin, guckt raus oder beobachtet das ganze Treiben im Waggon. In Marrakesch angekommen standen wir auf einer Baustelle. Der ganze Bahnhof wird neu gemacht und obschon nur alle 2 Stunden ein Zug fährt wird kräftig ausgebaut.

Kaum aus dem Gebäude raus steht das Empfangskommitee, hunderte Taxifahrer. So kam es, dass wir das erste Mal abgezockt wurden. Für die kleine, ungebetene Stadtrundfahrt bezahlten wir 100 Dhs.

Unsere Bleibe befand sich in Mitten der Medina. So fuhr der Taxifahrer erstmals auf einen Platz in der Gegend, stieg aus, rief sich einen Träger mit Sackkarren herbei und ehe wir bezahlten, mussten wir auch schon 2 unbekannten Typen durch die verwinkelten Gässchen folgen. Erstmals in die falsche Richtung, doch nach 20 Minuten, standen wir endlich vor unserem Riad. Geöffnet wurde uns von Rachida, der guten Seele des Hauses. Sie führt zusammen mit ihrem Bruder das Riad. Insgesammt verwalten sie 5 Riads in und rund um Marrakech. Unser Zimmer war in der ersten Etage. Klein und fein, so lässt sich es am Besten beschreiben. Insgesammt ist das Riad für 11 Gäste ausgelegt. Die Reisenden sind Rucksacktouristen, alle hatten den Lonely Planet über Marokko dabei. Entsprechend locker war auch die Stimmung. Wir haben nette Leute kennengelernt mit denen wir weiter Kontakt pflegen. Mit Majka , einer Italienerin, sind wir dann auch gleich losgezogen und haben gemeinsam die Souks erkundet.

Verlaufen, das gehört zu einem Besuch der Altstadt. Es scheint als würde jeder Ecken genauso aussehen wie der letzten. Und irgendwie verkaufen alle kleinen Läden die gleichen Waren. Unser Ziel war der Platz Djemaa el Fna, dort gibt es die berühmten Gaukler, Schlangenbeschwörer und Taschendiebe. Nur ist dieser Platz nicht so einfach zu finden wie wir es dachten. Es ist oft auch nicht ratsam mitten in der Menge den Stadtplan aufzufalten. Es dauert oft keine 10 Sekunden und man ist umringt von Halbwüchsigen die einem für ein paar Dirhams den Weg zeigen wollen. Wobei sie nicht auf eine Einwilligung warten sondern sich einfach an die Fersen heften. Die Souks sind eine eigene Welt, sehr faszinierend, aufregend, farbenfroh, laut, lebendig. Nach einer Stunde haben wir den Platz gefunden. Im Riad wurde uns gesagt es würde knapp 15 Minuten dauern um zu Fuss da hin zu kommen. Irgendwie haben wir festgestellt, dass alles in Marokko zwischen 5 und 15 Minuten zu Fuss zu erreichen ist. So zumindest wurde es uns immer zugesichert. Oft wissen nicht mal die Gefragten wo sich was befindet oder wo sie selbst sind.

Zwischenverpflegung fanden wir auf Djemaa el Fna, dort sind die Preise etwas höher als in den Medinas, dafür kriegt man auch einiges geboten. Wer mag darf gegrillte Schafsköpfe oder delikate Schneckensuppe kosten. Die Einheimischen finden es lecker. Wir begnügten uns mit Spiesschen und einem Gemüse Couscous.

Später gingen wir zurück zum Riad und fürs Abendbrot noch rasch um die Ecke und da auch noch gleich an eine Bank um Geld für den nächsten Tag abzuheben. Es ging in die Berge!

Tag 3

Über unser Riad haben wir einen Ausflug in den Hohen Atlas gebucht. Einen ganzen Tag inklusive Kamelreiten, Besuch bei einer Berberfamilie, Wandern zu irgendwelchen berühmten Wasserfällen und Essen kostete pro Person 505 Dhs. Und wir hatten Glück, denn es waren natürlich nur noch 2 Plätze frei. Gleich nach dem Frühstück, Rachida zauberte die besten Pfannkuchen, gings los im Ford Transit. Erst wurden unterwegs noch weitere Leute aus den anderen Riads aufgeladen, doch dann kamen die Berge in Richtung Süden immer näher. Das Wetter war uns auch gut gesinnt. Es war zwar etwas frisch, doch es blieb den ganzen Tag trocken und dann und wann zeigte sich die Sonne.

Erster Stopp, Kamelreiten. Sowas gehört zu den klassischen Touri-Fallen überhaupt. Neben den Kamelen gab es die fliegenden Verkäufer die irgendwelchen Kleinkram verkaufen wollten und auch ein Nein nicht akzeptieren konnten. Elegantes Ignorieren half nichts und sogar durch die geschlossenen Bustüren hindurch wurde ein Handel versucht. Das Kamelreiten an sich war nicht spektakulär, irgendwie tun mir die Tiere fast einwenig leid. Immerhin mussten sie nur einen Touristen auf’s Mal tragen und nicht wie auf Lanzarote zwei, einen auf jeder Seite. Nach knapp 10 Minuten war der Spuk auch schon wieder vorbei. So blieb uns noch mehr Zeit uns mit den Händlern abzumühen, wir wurden in 2 Gruppen aufgeteilt und mussten deshalb warten.

Danach ging es auf zum zweiten Frühstück bei einer Berberfamilie. Mit viel Traaraa wurden wir empfangen von Heerscharen von Kindern, natürlich mit der offenen Hand voraus. Die Berber leben in ihren traditionellen Lehmhütten, inklusive Haustieren. Verköstigt wurden wir mit frisch gebackenem Brot und Minztee. Interessant war es zu sehen wie einfach die Leute leben. Wobei wir vermuten, dass es doch eher für Touristen hergerichtet wurde und diese Berber ein gutes Einkommen mit den Gruppen verdienen und mittlerweile in normalen Häusern wohnen. Sie kommen sozusagen zum Arbeiten in ihre alten Lehmhütten. Wie gesagt, nur eine Vermutung

Das Frühstück im Magen ging es im Ford Transit die schmale Bergstrasse im Ourikatal hinauf. Irgendwann war Endstation, die Strasse war so schmal das nur noch gehupt wurde und es weder vorwärts noch rückwärts ging. Wir waren in Setti Fatma angekommen – weiter geht es nur noch mit dem Eselkarren. Ausgestiegen und über eine wacklige, aus Baumstämmen zusammengebundene Brücke ans andere Ufer. Insgesamt waren wir ca. 30 Personen auf dem Ausflug. Unsere Guides gingen voraus den Berg hoch. Einer blieb immer bei den letzten, uns, damit wir nicht verloren gingen oder den Berg hinunter stürzten. Der Auf- wie auch der Abstieg war sehr anstrengend. Einen befestigten und gesicherten Wanderweg gab es nicht. Laut meinem GPS Recorder haben wir innerhalb von 45min knapp 400 Höhenmeter gemacht, was bei meinem Fotorucksack doch eine anstrengende Sache war. Die eigentliche Attraktion, die Wasserfälle von Ourika, waren den Aufstieg nicht wert. Die Fälle von Ouzoude, 210km von Marrakesch entfernt, sind zumindest den Fotos nach grösser und schöner.

Danach hatte wir alle ziemlich Hunger. Es war mittlerweile auch schon 15h00. Etwa 5km das Tal runter haben wir dann unser verdientes Mittagessen bekommen. Marrokanischer Salat und Hühnchen Tajine, als Nachtisch noch frische Früchte und der obligatorische Tee. Um 17h30 waren wir wieder zurück in Marrakesch und in unserem Riad

Eigentlich dachten wir, dass uns die Füsse brennen würden oder die Beine zu schwammig wären um nochmals vor die Tür zu gehen. Doch der Hunger war grösser. Im Lonely Planet entdeckten wir das Dar Zellij, ein feines Lokal. Auf dem Stadtplan sah es aus als wäre es ganz in der Nähe, doch haben wir uns getäuscht. Wir fanden nur zum Restaurant mit Hilfe von zwei Halbwüchsigen die uns den Weg zeigen wollten. Sogar sie haben sich zweimal verlaufen, somit gab’s dann nur 5 Dhs für Beide. Nach dem Klopfen an der schweren Holztür wurde uns geöffnet und wir traten ein. Zuerst wurden wir zu einem Apero gebeten, da noch kein Tisch frei war. Auf dem Dach war eine schöne Lounge eingerichtet, mit Teppichen, Kissen und grossen Kerzen und den typischen Lämpchen. Leider war es etwas frisch, die Nächte in Marrakesch können kalt sein. Das Dar Zellij ist unterteilt in drei Bereiche, zwei Salons – dort sitzt man etwas höher und eher im Rampenlicht. Und dem Innenhof – dieser ist die eigentliche Attraktion mit seinen Orangenbäumen. Das Essen, wie auch die Bedienung ist exzellent, hat aber auch seinen Preis. 900 Dhs für 2 Personen, ohne Wein. Zur Unterhaltung sorgten zwei Musiker die sehr dezent im Hintergrund ihre Musik darboten. Nach dem Essen bekamen wir einen Guide der uns aus der Medina führte. Leider kamen wir am falschen Ort aus der Altstadt. So mussten wir uns um knapp Mitternacht nochmals durchfragen. Nicht mal ein Soldat der einen der Königspaläst bewachte konnte uns sagen wo genau wir waren, noch wie wir zu unserem Ziel kommen würden.

Tag 4

Für den vorletzten Tag haben wir uns die grossen Parks und Gärten vorgenommen. Zuerst ging es los in den Jardin Majorelle. Zu Fuss war der innerhalb von 15 Minuten erreichbar. Der Eintritt kostet 30 Dhs pro Person. Jacques Majorelle hat den Garten 1924 zur Kolonialzeit Frankreichs angelegt. Heute befindet sich dieser wunderschöne Fleck Erde im Besitz von Yves Saint Laurent. Man findet Pflanzen von allen Kontinenten, besonders der Teil mit dem Bambus ist sehr schön.

Nach dem Rundgang wurden wir von einem Taxifahrer angesprochen ob er uns eine private Tour durch die Palmeraie anbieten könnte. Eine 2 stündige Rundfahrt mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten run um Marrakesch für knapp 300 Dhs. Der Fahrer war zwar nett, doch Schlitzohren sind sie alle. Erzählungen über Villen und deren Bewohner sind natürlich amüsant, in jeder grösseren Villa war entweder Jean-Paul Belmondo oder Catherine Deneuve zu Hause. Die Palmeraie ist eine künstliche Oase mit ca. 100’000 gepflanzten Palmen. Eindrücklich!

Jetzt ging es in die Gerbereien. Für den Rundgang gab es erst mal einen Strauss Minze, den man sich gegen den beissenden Geruch unter die Nase halten konnte. Natürlich gab es nach der Tour noch einen obligatorischen Besuch im Shop. Dort wurden wir von Mumu (Muhamed) mit allem was zu Kaufen war vertraut gemacht. Es gab wirklich schöne Dinger zum Kaufen, aber natürlich zu übertreuerten Preisen. Barbara kam natürlich gleich in Verhandellaune. Nebst den Lederwaren hatte es auch Teppiche zur Auswahl. Unseren haben wir von über 5000 auf 1000 Dhs gedrückt. Mumu hat natürlich immer ein trauriges Gesicht gemacht, aber bestimmt hat er noch genug daran verdient. Noch eine kleine Lederhandtasche obendrauf und versorgt waren wir.

Den Geruch noch einwenig in der Nase fuhren wir weiter mit unserem Taxi in die Innenstadt. Dort noch bei einem Gewürzhändler und Apotheker reingeschaut. Danach war die Rundfahrt zu Ende und wir machten uns wieder zu Fuss auf dem Weg in Richtung des grossen Platzes. Auf dem Weg dort hin haben wir noch in einer Gassenküche etwas zu Mittag gegessen. Nicht nur die Souks im Norden sind interessant auch südlich von Djemaa el Fna gibt es viel zu sehen. Ich liess mich bei einem Barbier noch rasieren, jedes Mal ein Erlebnis. Auf dem Platz wurde ich, kaum stehen geblieben, von Schlangenbeschwörern in Empfang genommen. Super! Plötzlich hatte ich eiskalte Schlangen um den Hals gelegt bekommen. Zwei, drei Fotos später wollten die Typen 100 Dhs für 2 Fotos. Ich liess mich da nicht auf eine Diskussion ein und drückte dem einen 20 Dhs in die Hand und weg waren wir.

Als letzte Station unserer Tour wählte ich Menara, der Sultanspark. Die Anlage befindet sich etwa 5km westlich der Innenstadt. Bis vor wenigen Jahren war der Ort nur für offizielle Besuche geöffnet. Eingebettet zwischen tausenden Olivenbäumen liegt der kleine Pavillion und der quadratische Teich. Zurück ging es mit einem weiteren Taxi. Das Verhandeln mit den Fahrern kann zum Teil sehr lustig sein. Einer wollte 50 Dhs weil er ein neues Taxi gekauft hätte und wir zu zweit sind. Ich habe ihm gesagt, dass wir für die Hinfahrt 30 Dhs bezahlten und somit war der Preis festgeleget.

So viel herumlaufen und gucken macht natürlich hungrig. Nachdem wir in unserem Riad übers Internet ein Restaurant gesucht haben fiel mein Auge auf das Riad 72. Unsere Gastgeber wollten uns eigentlich in ein Touristenlokal mit Bauchtanz und Halli-Galli schicken, liegt uns aber überhaupt nicht. Ganz in der Nähe, 5min zu Fuss, in einer dunklen Gasse und vor einer massiven Holztür standen wir dann und fragten nach, ob sie noch zwei Plätze hätten. Normlerweise wird nur für die Gäste des Riads gekocht oder auf telefonische Voranmeldung, aber wir hatten grosses Glück und kriegten noch den letzten Tisch von insgesammt drei gedeckten. In der Mitte des Innenhofes hat es einen gewaltigen Bananenbaum der über die ganzen drei Etagen hoch geht. Die Stimmung ist noch schöner als im Dar Zeljii am Vorabend. Hier kocht noch die Mutter. Es gibt auch keine Karte, oder nur die für die Getränke. Eine einzige Frage wurde gestellt „Seid ihr Vegetarier? Nicht? Dann ist ja gut!“. Zu Essen gab es als Vorspeise eine Orangensuppe und als Hauptgänge ein Hähnchenspiess und Rindertajine mit Gemüse. Dessert gab es auch, selbstgemachter Milchpudding. Hier schmeckt man die Liebe und die Freude am Kochen. Nur der Wein war etwas dünn und säuerlich. Nach diesem kulinarischen Höhepunkt machten wir uns wieder auf den Weg zurück ins Riad Massin. Durch die dunklen Gassen der Souks in der Stille der Nacht.

Tag 5

Letzter Tag in Marrakech. Zum letzten Mal das leckere Frühstück von Rachida geniessen. Wir wollten noch einmal durch die ganzen Souks ziehen und Fotos machen. Barbara hat sich noch hier und da unbeliebt gemacht, weil sie die Leute ohne Erlaubnis und ohne Bakshish fotografierte. Na, egal! Letzter Tag = Letzte Chancen auf gute Bilder. Wir sind nochmals zurück zum Riad 72 und haben gefragt ob wir ein paar Bilder machen dürften. Und wir durften! Sehr freundliche Leute dort. Natürlich ist das Riad selbst nicht das günstigste und man trifft auch weniger auf Rucksack-Touristen, aber wenn man sich mal was gönnen will – der ideale Platz!

Rachida war sehr traurig dass wir bereits am Nachmittag abreisen würden, zudem war noch mein Geburtstag. Eigentlich wollte sie mit Barbara noch in den Hamam, damit sie schön geschmeidig und glatt sein würde für mich. Was auch immer sie damit meinte, wir haben es nicht erfahren. Dafür gab es dann eine leckere Geburtstagstorte für mich. Wie schön und welch Überraschung! Die haben wir dann mit vier Amerikanern, die eben angereist waren im Riad Massin, geteilt.

Wir wussten, dass alle zwei Stunden ein Zug in Richtung Casablanca fahren würde. Also organisierten wir unsere Abreise auf den 17h00 Zug. Schnell war ein Taxi gefunden, dass uns für 50 Dhs zum Bahnhof fahren würde. Bei der Hinfahrt haben wir noch das Doppelte bezahlt. Wir lernen schnell! Tickets gekauft und ab in den Zug. Und mit der Abendstimmung fuhren wir dann nach Norden. Für die letzte Nacht haben wir im Internet beim Ibis in Casablanca reserviert. Das liegt auch gleich neben dem Bahnhof Casa Voyageurs. Sehr praktisch um am Morgen in aller Ruhe zum Flughafen zu fahren. Ausserdem war das Ibis auch nur 100 Dhs teurer als das Hotel Central. Und was kann man bei einem Ibis schon falsch machen? Ich stellte aber schon Unterschiede zu den Standards hier fest. Egal, eigentlich waren wir beide nur noch müde und hatten auch Blasen an den Füssen. Geschlafen haben wir tief und fest trotz der unmittelbaren Nàhe zum Bahnhof.

Tag 6

Auf das Frühstück im Ibis haben wir verzichtet. Umgerechnet 10 CHF hätte es gekostet. Wir haben uns am Bahnhofskiosk mit Snaks und Getränken eingdeckt – das reichte. Am Flughafen angekommen wird das Gepäck bereits am Bahnsteig durchleuchtet. Und danach geht der ganze Kontrollwahn wieder von vorne los. Hier ein Formular und mal da anstehen etc.etc. Nach einer Zwischenladung in Orly kamen wir pünktlich um 20h30 in Zürich an. Das war ein schöner Urlaub in Marokko. Und bestimmt nicht der Letzte!

Bücher

Lonely Planet Marokko (Lonely Planet Deutsche Ausgabe)

Die Stimmen von Marrakesch. SZ-Bibliothek Band 7

Tipps

Gewöhnt euch einen steifen, strengen Gesichtsausdruck an. Und jeden Preis, den ihr genannt bekommt, könnt ihr gelockert vierteln.

Aufpassen beim Henna malen. Viele Frauen bieten ein stylisches „schwarzes“ Henna an. Lasst die Finger davon. Nehmt das gute alte Henna, schmiert mehr, ist am Anfang grün, aber auch hautfreundlich! Wer in unser Riad Massin zu Rashida geht, die Süsse malt euch das auch, mit original Henna!!

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